Das Schießwesen in Telfs

Der Schießsport in Tirol ist schon sehr alt, denn bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden in vielen Städten Tirols Gesellschaften von Armbrustschützen, die am Sonntag aus Freude am Sport und an Gesellgkeit auf einer Zielstatt um die Wette schossen. Die Landesfürsten förderten das Schießwesen wegen der Bedeutung für die Landesverteidigung. Für die Schützen war sie nicht Hauptziel, ihnen ging es mehr um die Freude am Scheibenschießen. Auch in Telfs wurde das Scheibenschießen gepflegt.

Im Folgenden einige überlieferte Ereignisse und Daten zur Entwicklung des Schießwesens in Telfs.

Am 2. Juli 1745 beschloss die Schützenkompanie Telfs, einen Schießstand zu erbauen und zu diesem Zweck ein Kapital aufzuleihen. Dieser Schießstand wurde beim Bierwirt bei der Innbrücke -Anton Schöpf- auf dessen Grund und Weide errichtet.

So wird von einem Festschießen am Schießstand am Inn berichtet: Ein unglücklicher Schütze ließ in der Schießstätte beim Laden nicht die notwendige Sorgfalt walten, so dass sich ein Schuss löste, der die Wirtin Elisabeth Schöpf geb. Wackerle, Mutter des berühmten Barockmalers Joseph Schöpf, die im Nebenzimmer mit Gläserspülen beschäftigt war, traf. Sie war auf der Stelle tot.

Am 17. Juni 1838 hielt sich Erzherzog Johann, von Landeck kommend, über eine Stunde in Telfs auf, wo er den Schießstand besichtigte und selbst mehrere Schüsse abgab. Die Scheiben, auf welche der Erzherzog geschossen hatte, waren bis 1914 am Schießstand aufbewahrt. Sie wurden von einem Fanatiker zerhackt und verbrannt.

Am 20. März 1853 fand, so wird berichtet, nach der Wiedergenesung des beim Wiener Attentat verwundeten Kaiser Franz Josef I. in Telfs ein großes Schießen statt.

1847, datiert mit erstem Jänner, legte die Schießstandvorstehung unter Oberschützenmeister Scharmer und Unterschützenmeister Graßmayr dem k.k. Landgericht eine Eingabe samt Bauplan vor, nachwelcher der Schießstand vergrößert und repariert werden sollte. Am 12. September 1854 war es dann soweit. Die neue Schießstätte am Inn wurde eröffnet. Von weit und breit waren Schützen erschienen. Es wurde fest geschossen und musiziert. (Innsbrucker Tagblatt1854).

Am 5. Mai 1897 erwarben die Schützen von Franz Porta, Zimmermann von Telfs, im Emat ein Waldstück von 1508 Klafter um den Preis von 235 Gulden. Darauf wurde der Gerichtsschießstand errichtet.

Der Erste Weltkrieg war wohl auch an diesem Schießstand nicht spurlos vorbeigegangen, denn am 5. Mai 1920 teilte der Bürgermeister von Telfs dem Tiroler Landesrat (unterschrieben hat Steidele) mit, dass in der Gemeinderatsitzung von 9. März beschlossen wurde, das Dach des Schießstandes im Emat abzutragen und die 300 bis 400 Platten einer anderen Verwendung zuzuführen, nachdem die Tür– und Fensterstöcke bereits entwendet worden waren. Der Landesrat erhob in seinem Antwortschreiben vom 22. Mai keinen Einspruch, falls die Schützengesellschaft damit einverstanden ist.

Erst am 16, Mai 1927 wurde in einer Versammlung im Gasthof Löwen vom Kriegerverein Telfs, dem Nachfolgeverein der Schützenkompanie, die Wiedererrichtung des Schießstandes im Emat beschlossen. Im Juni 1931 wurde versucht, in Telfs die Standschützengilde wiederzubeleben. Die Volkszeitung berichtete darüber.

Tagelang ist auf den Gemeindeanschlagtafeln eine auf dem Weg durch die Magistratskanzlei ergangene Kundmachung zu lesen, worin bekannt gegeben wurde, dass die Schützengilde, die sogenannten Standschützen, wieder ins Leben gerufen werden. Während des Großdeutschen Reiches mussten am Schießstand Schießübungen durchgeführt werden. Im Zuge der Organisation der Standschützen wurden im ganzen Kreis Ortsschießen veranstaltet.

Am 3. und 4. März 1940 führte der Standschützenverband Telfs auf dem Schießstand im. Emat ein Opferschießen durch. Trotz hoher Schussgebühren und kalten Windes herrschte „eifriger Schießbetrieb“.

Die Zimmergewehrbewerbe wurden im Gasthof Löwen durchgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zerfiel der Schießstand am Emat.

Doch die Schützen, die sich sofort wieder formierten, führten in der Folgezeit an den verschiedensten Orten ihre Schießen durch. Sie waren im Vereinshaus, im Rathauskeller und in der Traube zu finden. Anfang der 70er Jahre bekam die Schützenkompanie die Gelegenheit, ein Schützenheim mit Zimmergewehrstand im Zuge der Errichtung des Hallenschwimmbades zu bauen. Voller Stolz eröffneten sie am 25. Jänner 1974 das neue Heim. Es herrschte große Freude, endlich auch einen eigenen Schießstand zu besitzen, auch wenn die 7 Stände für heutige Verhältnisse etwas eng waren.

Als 1991 neben der „neuen“ Volksschule in der Prof.-AndreasEinberger- Straße eine Turnhalle errichtet wurde, erhielt die Schützenkompanie ein neues modernes Schützenheim mit einem modernen Schießstand – 10 Stände mit elektronischer Auswertung. Am 27. Februar 1993 wurde das neue Heim feierlich eingeweiht. Neben internen Schießen der Kompanie wird seither eine „Jahresscheibe“ aufgelegt, der ein historisches oder ein künstlerisches Ereignis zugrunde liegt, wie die berühmte Telfer Fasnacht, 25 Jahre Arge Alp, 500 Jahre Selbstbildnis von Albrecht Dürer mit Blick von Mösern nach Telfs oder der 50-jährige Todestag des Telfer Künstlers Prof. Andreas Einberger.